Conny Plank

 Pop-Avantgardist und Platin-Produzent

In seinem Studio in Köln produzierte Conny Plank in den 1970er und 1980er Jahren die ersten Alben von Kultbands wie Kraftwerk, Ultravox, Eurythmics, Kraan, Les Rita Mitsouko, DAF, Neu!, Devo, Can, Ideal oder Brian Eno, aber auch Zeltinger, Freur, The Meteors, Gianna Nannini, Liaisons Dangereuses, Killing Joke, Zupfgeigenhansl, Duke Ellington und vielen mehr. Ein breiteres Repertoire ist kaum vorstellbar. Er war der erste, der sein Mischpult nicht als Medium sondern als Instrument begriffen hat. Er hat als Musikproduzent Krautrock- und Elektrosounds seiner Zeit geschaffen als ewige Referenzsounds für alle kommenden Generationen von Bands dieser Art wie beispielsweise Depeche Mode oder den Industrial-, Trance- oder Technoheroen, aber auch den NDW-, Indie- und New Wave-Sound mitgeprägt, auf den sich heute noch weltweit unzählige Bands beziehen. Er hat mit seinem Schaffen Nischen definiert und ausgestaltet und sich damit die Achtung der Szene erarbeitet. Er hat aber auch den großen Mainstream bedient und damit weltweit unzählige Preise und Trophäen eingeheimst und den Bands und Künstlerinnen und Künstlern entscheidend geholfen, Millionen von Einheiten zu verkaufen. Im Vordergrund stand für ihn stets die Authentizität der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler, nach denen er Mittel und Instrumente für die Produktion gewählt hat.

Seine beruflichen Anfänge hatte er auf dem Halberg: Mitte der 1960er Jahre war er Sendetechniker bei der Europawelle Saar des Saarländischen Rundfunks und ging auch dort unkonventionell und mit viel Leidenschaft nicht immer gern gesehene Wege, was uns Grund war, uns näher mit ihm zu befassen.

Conny Plank, der 1987 mit nur 47 Jahren starb, war und ist bis heute einer der, wenn nicht der wichtigste deutsche Pop-Musikproduzent. Und er ist – auch wenn er durch den Film „Conny Plank – The Potential of Noise“ von Sohn Stephan Plank und Reto Caduff seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit und Würdigung erhält – erstaunlicherweise bis heute weitestgehend nur den Connaisseuren, Insidern und Indie-Liebhabern ein Begriff.

Die Ausstellung ist ein Versuch, ihn ein wenig in jenen Spot-Lights sichtbar werden zu lassen, in die er Weltklasse-Bands ihr Bandleben lang dank seiner großartigen Ideen und seiner genialen Arbeit am Mischpult geschoben hat.

Dabei erhebt die Ausstellung keinen wissenschaftlichen Anspruch auf Vollständigkeit, sie versucht vielmehr zwei große, emotionale Akzentuierungen: die auf die enorme Bandbreite der Bands und sein breites Repertoire und enormes Schaffen in familiärer, freundschaftlicher Atmosphäre in der überschaubaren Welt von „Conny´s Studios“ im ehemaligen Schweinestall in Wolperath, dem Mikrokosmos von Planks Tun – vor allem visualisiert durch die Fotos aus dem Privatarchiv der Familie Plank; und die auf die enormen Erfolge, die er weltweit mit seinem Werk erzielt hat, sei es, indem er epochal stilbildend für Musik-Nischen gearbeitet hat oder äußerst erfolgreich den Mainstream der gesamten westlichen Welt bedient hat, dem unermesslichen Makrokosmos der Folgen seines Tuns also – vor allem visualisiert durch die bepreisten Schallplatten, Ehrenpreise und Covers seiner Produktionen.

Text: Peter Meyer | Bild: Veranstalter