D/troit

 Dänisches Soul-Dynamit

Die Kopenhagener Soul-Sensation D/troit steht mit ihrem lang erwarteten zweiten Album „Heavy“ in den Startlöchern. Getreu dem Titel wird der Sound von einem gewichtigeren, von HipHop inspirierten Gefühl dominiert, das mit Soul und Funk zu Themen wie Hoffnung, Liebe und den kollektiven Herausforderungen, denen wir alle gegenüberstehen, serviert wird. Es ist düsterer als der Vorgänger und klingt ebenso klassisch wie modern. Für den Mix sorgte eine Gruppe von Soundzauberern – Wayne Gordon (Bruno Mars, Amy Winehouse), Simon Guzmán (Damian Marley, Sharon Jones & The Dap-Kings), Jesper Reginal (Junior Senior, PowerSolo) und Newcomer Christian Ki (Mathilde Falch, Paper Tigers). Ki ist maßgeblich an dem einzigartigen, schweren Schlagzeugsound des neuen Albums (Crunchy Frog Recordings) beteiligt. Für Rede und Antwort standen Klaus, Mads, Stefan und Jackie bereit.

Wer hat, wann und wo, D/troit gegründet? Gab es Besetzungswechsel auf dem Weg hin zum heutigen Line Up, einem Quintett?

Jackie (Bass): Toke Bo (Gesang), der heute krankheitsbedingt fehlt, Klaus (Gitarre), Mads (Keyboards), Stefan (Schlagzeug/Percussion) und ich haben die Band in Kopenhagen vor rund 10 Jahren gegründet, nachdem wir alle bei The Breakers strandeten und uns für den Neustart umbenannten.


Welche Künstler, Stile und Genre haben euch maßgeblich beeinflusst? Wenn Soul der Mittelpunkt eurer Musik ist, eher US Motown/Stax, Southern Soul oder britischer Northern Soul?

Mads: Als gesamte Band auf jeden Fall James Brown und generell US-Soul der 1960er und 1970er Jahre. Modern fast alle Künstler von Daptone Records, unter anderem Sharon Jones & The Daop-Kings oder Charles Bradley. Nicht zu vergessen El Michels Affair, die Cinematic Soul-Band aus New York. Und dann hat jeder eigene Inspirationen, durchaus auch aus dem Punk- und Rockbereich.

Welche Bedeutung spielen Funk und HipHop für den Sound von D/troit?

Stefan: Diese Einflüsse spielen eine große Rolle für uns, wir sind eben nicht "Pure Soul", sondern auch der Jazz nimmt seinen Platz ein.


Ihr habt bereits 2015 die EP “Do The Right Thing” veröffentlicht, die von Fans und Medien hochgelobt wurde. Wann folgte das Debüt?

Klaus: „Soul Sound System“ haben wir 2017 via Crunchy Frog veröffentlicht. Ein exzellentes Retro-Album mit viel R&B und Soul. Ein paar Singles folgten, siehe unsere Diskografie auf crunchy.dk


Der Titel “Soul Thing” wurde von Heineken für einen weltweiten Werbespot eingesetzt. Ist das nicht eine Art von Ausverkauf? Wäre eine Zusammenarbeit mit Carlsberg, Tuborg oder Faxe nicht angemessener gewesen?

Stefan: Innerhalb der Band wurde eher diskutiert, welches Produkt das passende für D/troit wäre, weniger die Firma und der Ausverkauf. Und dieser Endorsementvertrag hat dem Bandkonto sehr gutgetan, mit CD-Veröffentlichungen verdienst Du kein Geld und auch bei Live-Shows sind wir acht oder mehr Personen auf Tour, da bleibt wenig hängen.

Wie lange habt ihr an “Heavy” gearbeitet. Welche Rolle kommt den Produzenten und Gästen zu? Habt ihr Favoriten was die Albumstücke zwischen dem titelgebenden Opener und „Decency“ angeht?

Mads: Die Produzenten haben dem Album den Feinschliff gegeben, vor allem vor dem Hintergrund der Aufnahmen während Covid-19. Zwei Jahre hat der gesamte Prozess in Anspruch genommen. Auch der Einsatz der Gäste musste koordiniert werden, aber er hat sich gelohnt. Favoriten sind die bisher ausgekoppelten Singles, das balladeske „Higher“, „I Want You“ und „Gotta Have Soul“.


Um welche Themen drehen sich die Inhalte der neuen Stücke? Geht es über reine Unterhaltung hinaus?

Klaus: Unterhaltung, Information und Gefühle stehen im Vordergrund, aber weniger Politik. Wichtig ist, dass sich die Lyrics gut mit der Musik ergänzen. Beides aus einer optimistischen Grundhaltung heraus.


Eure Musik hat durchaus Chartpotential. Gab es Interesse von Major Labels? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Kopenhagener Independent-Label Crunchy Frog Recordings?

Jackie: Nein, Major-Labels sind bisher nicht an uns herangetreten. Anfänglich sah es gar nicht so aus, dass wir gut zu Crunchy passen würden. Über eine Radiostation kam über mehrere Ecken der Kontakt zustande und die waren von D/troit begeistert und boten uns einen Deal an, der bis dato zur Zufriedenheit beider Seiten anhält. Sie sind eine Art Familie für uns geworden.


Welche Bars/Clubs gehören zu euren bevorzugten Zielen in Kopenhagen und Dänemark was Ausgehen und Shows angeht?

Alle: In Kopenhagen Vega und Loppen. Wir mögen sowas wie den Mojo Club in Hamburg, das schlägt alles in Dänemark. Und wir gehen alle gerne in Berlin aus.

Text: Frank Keil | Bilder: Bix